Warum ein erfolgreiches Unternehmen noch lange kein Franchise-System ist
Fünf Fragen, die du ehrlich beantworten solltest, bevor du an Vertrag, Handbuch und Logo denkst.
„Unser Konzept läuft richtig gut. Jetzt machen wir Franchise.“
Diesen Satz höre ich mehrmals im Jahr. Meistens von Unternehmerinnen und Unternehmern, die ihre Sache wirklich gut machen: volles Lokal, treue Stammkunden, gesunde Zahlen. Und trotzdem ist meine Antwort fast immer dieselbe: So einfach ist es nicht.
Ein erfolgreicher Standort ist eine hervorragende Voraussetzung, aber ein Beweis ist er nicht. Denn Franchise bedeutet nicht, ein funktionierendes Geschäft zu kopieren. Franchise bedeutet, ein funktionierendes Geschäft so zu zerlegen und neu zusammenzusetzen, dass ein fremder Unternehmer mit fremdem Personal an einem fremden Standort damit ebenfalls Geld verdient. Der Unterschied ist ungefähr der zwischen „gut kochen“ und „ein Rezept schreiben, nach dem auch andere gut kochen können“.
Die fünf Fragen, die vor allem anderen kommen
Bevor du über Verträge, Handbücher und Partnersuche nachdenkst, beantworte diese fünf Fragen. Ehrlich, und am besten schriftlich.
1.1. Steckt der Erfolg im System oder in dir?
Mach ein Gedankenexperiment: Du bist drei Monate nicht im Betrieb. Kein Telefon, keine Fernsteuerung. Läuft dein Geschäft danach noch genauso gut? Wenn nicht, dann franchisierst du kein System, sondern eine Person. Das wird nicht funktionieren.
1.2. Verdient dein Modell zweimal?
Ein Franchise-System muss zwei Unternehmen ernähren. Dein Partner braucht nach allen Kosten inklusive Gebühren ein Einkommen, das seinen Einsatz und sein Risiko rechtfertigt. Und du brauchst aus eben diesen Gebühren genug, um Systemzentrale, Partnerbetreuung, Schulung, Marketing und Weiterentwicklung zu finanzieren. Rechne das für einen typischen Standort durch, bevor du es jemandem anbietest. Wenn die Rechnung nur aufgeht, weil du bei Umsatz und Wareneinsatz optimistisch schätzt, geht sie nicht auf.
1.3. Existiert dein Wissen außerhalb deines Kopfes?
Das meiste, was dein Geschäft gut macht, hast du vermutlich nie aufgeschrieben: wie ein neue Mitarbeiter:innen in der ersten Woche eingeschult werden, wie du auf eine Reklamation reagierst, wann du bestellst und in welchen Mengen, woran du merkst, dass ein Tag schlecht läuft, bevor es die Kassa zeigt usw. Genau dieses Wissen kauft ein Franchisepartner. Hast du es jederzeit parat?
1.4. Wie viel von deinem Erfolg gehört dem Standort?
Gerade in Gastronomie und Retail entscheidet der Standort massiv mit: Frequenz, Einzugsgebiet, Nachbarschaft, Mietkonditionen. Die unangenehme Frage lautet deshalb: Würde dein Konzept auch in einer anderen Stadt und in einer B-Lage funktionieren? Wenn du das nicht sicher weißt, ist ein zweiter eigener Standort der ehrlichere nächste Schritt als der erste Franchisepartner. Er kostet dich mehr Kapital, aber er kostet dich keinen Partner, der sein Erspartes in eine ungeprüfte Annahme investiert.
1.5. Willst du den neuen Job wirklich?
Als Franchisegeber:in betreibst du nicht mehr in erster Linie dein Geschäft. Du betreust Partner, schulst, sicherst Qualität, führst unangenehme Gespräche und entwickelst das System weiter. Das ist ein anderer Beruf als der, für den du angetreten bist und nicht jeder, der im Tagesgeschäft aufblüht, mag ihn.
Franchise scheitert selten an einer einzigen Sache
Angenommen, die fünf Fragen sind beantwortet und die Antworten sind für dich zufriedenstellend. Dann beginnt das nächste Problem, ein strukturelles.
Franchise wird in der Praxis meist in einzelnen Disziplinen gedacht. Ein Berater entwickelt das System. Ein Anwalt erstellt den Vertrag. Eine Agentur macht Marketing. Ein Makler sucht Standorte. Jemand anderer sucht Franchise-Partner. Jeder liefert ein sauberes Teilergebnis. Und am Ende hofft man, dass die Teile zusammenpassen.
Meistens tun sie das nicht. Der Vertrag beschreibt dann ein System, das die Website anders erzählt. Die Partnersuche bringt Interessenten, für die noch kein Standort existiert. Das Marketing verspricht eine Positionierung, die im Handbuch nirgends hinterlegt ist.
Erfolgreiche Franchise entsteht nicht durch einzelne Leistungen. Sie entsteht, wenn Geschäftsmodell, Strategie, Marke, Prozesse, Partner, Marketing, Vertrieb, Finanzierung, Standort und Expansion ineinandergreifen.
Aus diesem Gedanken ist Easy Franchise Österreich entstanden
Genau deshalb haben wir Easy Franchise Österreich aufgebaut: nicht als weitere Franchiseberatung, sondern als Modell, das die wesentlichen Bausteine eines Franchise-Systems unter einem Dach verbindet. Der Weg, den wir mit Unternehmen gehen, hat vier Etappen.
Franchise-Fähigkeit prüfen. Wir beginnen mit den Fragen von oben: Wirtschaftlichkeit, Prozesse, Positionierung, Organisation. Nicht jedes gute Unternehmen sollte ein Franchise werden und das gehört am Anfang gesagt, nicht nach dem fertigen Handbuch.
System und Marke bauen. Aus dem Betrieb wird eine reproduzierbare Struktur. Und aus der Marke ein Angebot, das nicht nur Kunden anzieht, sondern auch Unternehmer:innen, die Teil davon werden wollen.
Sichtbarkeit und die richtigen Partner. Ein Konzept, das niemand kennt, skaliert nicht. Ein Konzept mit den falschen Partnern skaliert in die falsche Richtung. Uns geht es deshalb nicht um möglichst viele Interessenten, sondern um die richtigen Unternehmer für die richtige Marke.
Standort und Expansion. Standortsuche, Frequenz, Mietkonditionen, Wirtschaftlichkeit und Mietvertragsverhandlung sind keine Nebenthemen. Sie sind Teil der Franchise-Strategie und sie entscheiden mit, ob der erste Partner Erfolg hat.
Ein Franchise-System ist für uns nicht fertig, wenn die Unterlagen fertig sind. Dann beginnt erst der Teil, der zählt: Umsetzung, Expansion, Wachstum.
Zwei Seiten, eine Plattform
Easy Franchise richtet sich an zwei Gruppen.
Unternehmen und Marken, die wachsen wollen. Wir machen ein bestehendes Geschäftsmodell franchisefähig, bauen das System auf und gewinnen anschließend Partner und Standorte für die Expansion.
Unternehmer:innen, Investor:innen und künftige Franchisepartner, die ein passendes Geschäftsmodell suchen. Auch hier stellen wir die Frage bewusst anders. Nicht: „Welches Franchise können wir dir verkaufen?“, sondern: „Welches Franchise passt zu dir, zu deinen Fähigkeiten, deinem Kapital und deinen unternehmerischen Zielen?“
Franchise ist für mich eines der spannendsten Wachstumsmodelle überhaupt, aber nur dann, wenn es professionell aufgebaut wird. Deshalb lautet meine Frage an Unternehmer:innen nicht: „Willst du Franchise machen?“
Sondern: „Bist du bereit, aus deinem erfolgreichen Unternehmen ein System zu machen, das auch ohne dich funktioniert?“
Wenn deine Antwort darauf Ja lautet, sollten wir miteinander reden.
Mehr über Easy Franchise Österreich und unser ganzheitliches Modell: www.easyfranchise.at